Vorwort
Unser Verband braucht einen Neuanfang, getragen von einem klaren Wertekompass, professionellen Strukturen und einem Team, das sowohl die Tradition unserer Kunst wie auch die Anforderungen eines modernen Sportverbandes versteht.
Wir, das Team Karate NEU DENKEN, treten mit sechs Leitprinzipien zur Wahl am 29. Mai 2026 an. Sie beschreiben, wofür wir stehen, und woran wir uns messen lassen wollen.
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Prinzip · 01
Tradition trifft Innovation
Wir stehen in der Tradition des Karate-Dō. Jeder von uns trägt eine lange persönliche Karate-Geschichte mit sich, geprägt von jahrzehntelangem Training, Wettkampferfahrung, Lehrtätigkeit und der täglichen Auseinandersetzung mit dem Weg, den dieses „Dō" beschreibt. Es ist nicht nur ein Schriftzeichen für uns, sondern Teil unseres Lebens.
Doch wir leben nicht nur auf der Matte. Wir stehen mit beiden Beinen in unseren Berufen: als Anwälte, Ärzte, Notare, Unternehmer und Manager der Privatwirtschaft. Wir sind es gewohnt, mit modernen Management-Werkzeugen zu arbeiten, klare Ziele zu setzen, sie messbar zu machen und sie zu erreichen.
Diese beiden Welten gehören für uns zusammen. Die Disziplin und der Respekt, die wir im Dojo gelernt haben, sind dieselben Eigenschaften, die uns in unseren beruflichen Laufbahnen erfolgreich gemacht haben. Genau diese Verbindung wollen wir in den Verband bringen: die Klarheit und Tiefe der Tradition, gepaart mit der Effizienz und Professionalität moderner Organisationsführung.
Karate Austria soll ein Verband sein, der seine Wurzeln ehrt und gleichzeitig zukunftsfähig ist. Diese Entwicklung wollen wir nicht von oben verordnen, sondern gemeinsam mit allen Stakeholdern gestalten, mit den Vereinen, den Landesverbänden, den Aktiven und den Funktionären.
Prinzip · 02
Kompetenz im Zentrum
Ein Bundes-Fachverband mit einem Jahresbudget im siebenstelligen Bereich braucht Expertise. Und zwar in jenen Disziplinen, die seine Arbeit tagtäglich prägen: Recht, Wirtschaft, Sport, Medizin, Compliance, Organisationsmanagement.
Unser Team bringt diese Expertise direkt in die Verbandsarbeit ein. Was bisher häufig extern eingekauft werden musste, steht künftig im Vorstand selbst zur Verfügung, als Selbstverständlichkeit ehrenamtlicher Arbeit. Damit fließen Ressourcen wieder dorthin, wo sie hingehören: in den Sport.
Diese Bündelung von Kompetenzen ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung für eine fundierte und nachhaltige Entwicklung des Verbandes, eine Entwicklung, die nicht von kurzfristigen Notwendigkeiten getrieben wird, sondern auf einer soliden Basis fachlicher Qualität ruht.
Prinzip · 03
Begegnung auf Augenhöhe
Das geltende Delegiertensystem stammt aus einer Zeit ohne digitale Kommunikationsmittel. Über Jahrzehnte hinweg hat sich dabei eine wachsende Distanz zwischen den 199 Vereinen und der Bundesebene entwickelt. Heute wird der Wille von rund 200 Vereinen über wenige Dutzend Delegiertenstimmen gefiltert, ein Mechanismus, der Beteiligung erschwert.
Die technischen Möglichkeiten sind heute andere. Online-Versammlungen mit großer Teilnehmerzahl sind etablierter Standard und in vielen Verbänden, Unternehmen und Organisationen längst die Norm. Was technisch möglich ist, sollte demokratisch genutzt werden.
Wir wollen jedem der 199 Vereine seine Stimme zurückgeben und volle Mitbestimmung ermöglichen. Wir wollen Entscheidungen wieder dorthin tragen, wo der Sport tatsächlich stattfindet: in die Dojos, zu den Übungsleiterinnen und Übungsleitern, zu den ehrenamtlich Engagierten, die Woche für Woche Karate vermitteln. Hybride Versammlungsformen, transparente Abstimmungsprozesse und niederschwellige Beteiligungsformate sind dafür der Weg.
Begegnung auf Augenhöhe heißt: Wer die Vereine ernst nimmt, muss sie auch zu Wort kommen lassen.
Prinzip · 04
Integrität und Transparenz
Die finanzielle Situation eines Bundes-Fachverbandes ist keine Nebensache. Sie ist Grundlage seines Vertrauensverhältnisses zu den Mitgliedern, zu den Sportlerinnen und Sportlern, zur öffentlichen Hand und zu den Fördergebern. Wenn dieses Vertrauen erschüttert ist, leidet der gesamte Sport.
Wir wollen den Blick nach vorn richten. Unser Anspruch ist klar: Karate Austria muss die Vorgaben des Bundes-Sportförderungsgesetzes konsequent einhalten. Ein professionelles Rechnungswesen, eine saubere Belegführung, eine zeitgerechte Abrechnung und transparente Berichte gegenüber den Fördergebern sind keine bürokratischen Hürden, sondern selbstverständliche Pflichten eines modern geführten Verbandes.
Die Expertise dafür ist in unserem Team vorhanden, sowohl auf der buchhalterisch-rechtlichen wie auch auf der managementorganisatorischen Ebene. Was es jetzt braucht, ist die Bereitschaft, diese Expertise einzusetzen und die nötigen Strukturen aufzubauen.
Unser Ziel: Jeder Euro soll verantwortungsvoll im Sinne des Sportes eingesetzt werden, der Sportlerinnen und Sportler, der Vereine, der Nachwuchsförderung und des Spitzensports.
Prinzip · 05
Wertorientierte Verbandskultur
Die Werte, die im Karate seit Jahrhunderten überliefert werden, dürfen nicht an der Tür des Verbandsbüros enden. Das Dojo Kun (die fünf Grundregeln, die jeder Karateka kennt) ist für uns nicht nur Trainingsritual, sondern Maßstab unseres Handelns:
Strebe nach der Vervollkommnung deines Charakters.
Sei aufrichtig in deinem Tun.
Sei beharrlich und ausdauernd.
Verhalte dich korrekt und respektvoll.
Enthalte dich der Gewalt und übe Selbstkontrolle.
Was bedeutet das konkret in der Verbandsarbeit? Es bedeutet ehrlichen Umgang mit Zahlen und Fakten. Es bedeutet, Versprechen zu halten. Es bedeutet, auch in Konfliktsituationen den Respekt vor anderen Meinungen zu wahren. Es bedeutet, langfristig zu denken statt kurzfristig zu agieren. Und es bedeutet, Macht nicht als Selbstzweck zu betrachten, sondern als Verantwortung gegenüber denen, die einen mit ihrem Vertrauen ausgestattet haben.
Wir wissen, dass diese Werte in vielen Vereinen heute kaum noch ausdrücklich gepflegt werden. Das traditionelle Karate als Charakter- und Persönlichkeitsschule droht zunehmend hinter sportlich-technischen Aspekten zurückzutreten. Gerade deshalb ist die Vorbildwirkung der Verbandsspitze umso wichtiger: Wer Respekt, Aufrichtigkeit und Charakter nicht einmal in der eigenen Verbandsführung lebt, kann sie auch nicht von den Vereinen einfordern.
Wir leben diese Werte nicht, weil sie irgendwo vorgeschrieben wären. Wir leben sie, weil sie ein Leben lang Teil unserer Karatepraxis waren. Sie machen den Unterschied zwischen einer Funktion und einer Berufung. Und sie sind das Fundament einer Verbandskultur, in der Menschen gerne mitarbeiten, Sportlerinnen und Sportler sich aufgehoben fühlen und Vereine ihre Heimat finden.
Prinzip · 06
Landesverbände stärken
Karate-Leistung entsteht nicht in der Geschäftsstelle eines Bundesverbandes. Sie entsteht in den Vereinen, in den Landesverbänden, bei den Trainerinnen und Trainern, die täglich mit Sportlerinnen und Sportlern arbeiten. Dort liegt das Wissen über die individuellen Bedürfnisse junger Talente, dort werden die Karrieren begründet, und dort wird der Grundstein für jeden internationalen Erfolg gelegt.
Unser Verständnis von Bundesverband ist daher kein zentralistisches. Wir wollen den regelmäßigen Austausch mit der Führung der neun Landesverbände zur Selbstverständlichkeit machen, nicht in formellen Pflichtsitzungen einmal jährlich, sondern als kontinuierlichen Dialog auf Augenhöhe. Nur wer zuhört, kann gezielt unterstützen. Nur wer die regionalen Realitäten kennt, kann die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.
Als konkrete Maßnahme werden wir quartalsweise Präsidentinnen- und Präsidentenkonferenzen etablieren. Vier Mal im Jahr zusammenzukommen (persönlich oder hybrid) schafft eine institutionelle Plattform, auf der gemeinsame Strategien entwickelt, regionale Anliegen frühzeitig erkannt und Entscheidungen vorbereitet werden können, bevor sie auf die formelle Tagesordnung kommen. Das ist kein Bürokratieaufwand, sondern eine Investition in Vertrauen und Schlagkraft.
Wir wollen Rahmenbedingungen schaffen, die Leistung, Entwicklung und Zusammenarbeit fördern. Landesverbände, die bereits funktionierende Strukturen aufgebaut haben, sollen darin bestärkt werden. Landesverbände, die Aufbauarbeit leisten, sollen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Dezentrale Strukturen sind keine Schwäche eines Verbandes: sie sind seine Stärke, weil sie Nähe zu den Aktiven garantieren.
Moderne Sportförderung bedeutet mehr als Trainings- und Wettkampfkostenzuschüsse. Sie bedeutet individualisiertes Athletenmanagement, ganzheitliches Umfeldmanagement und langfristige Begleitung: von der Talentphase bis in den Spitzensport. Diese Aufgaben können Landesverbände und Vereine wesentlich besser leisten als ein zentraler Bundes-Fachverband. Unsere Rolle als Bundesverband ist es, die Rahmenbedingungen zu schaffen, Ressourcen klug zu verteilen und überall dort zu unterstützen, wo es Synergien zu heben gibt. Nicht, alles selbst machen zu wollen.
Stärken, was stark ist. Aufbauen, wo Aufbau gebraucht wird. Vertrauen schenken, wo Vertrauen verdient ist.
Im Video
Alexander Petsche zu acht Themen
Kurze, persönliche Statements zu den Fragen, die uns am häufigsten gestellt werden.
Unser Versprechen
Wir treten nicht an, um Posten zu besetzen. Wir treten an, weil Karate Austria mehr verdient: als Verband und als Heimat einer großen, leidenschaftlichen Sportgemeinschaft.
Wir bringen die Expertise, die ein moderner Bundes-Fachverband braucht. Wir bringen die Werte, die unser Sport verkörpert. Und wir bringen den Willen, beides miteinander zu verbinden.
Am 29. Mai 2026 entscheidest du über den Weg, den Karate Austria gehen wird.
Es ist Zeit, Karate neu zu denken.
Der Sport ist exzellent.
Der Verband sollte es auch sein.